Landwirtschaftskammer Bremen
Hitzeschutz
Projekt: „Gebietsangepasste Hitzeschutzmaßnahmen in Landschafts- und Naturschutzgebieten für Weidetiere – Fokus Rinder“
Das Projekt zielt darauf ab, die unterschiedlichsten Anforderungen des Tierschutzes, der Landwirtschaft sowie des Natur- und Hochwasserschutzes in einer ausgewogenen Form zu vereinen. In diesem Zusammenhang ist es das Bremische Ziel, die Erhaltung und Weiterentwicklung der Weidehaltung in Schutzgebieten zu verfolgen.
In einem Dialog- und Austauschprozess werden die wichtigsten Punkte und Zielkonflikte offen benannt sowie gemeinsam Lösungen entwickelt werden, die das Tierwohl sichern, Naturschutz erhalten und die Weidehaltung in Bremen langfristig ermöglichen.
Am Projekt beteiligt sind Landwirtschaft, Naturschutz, Veterinärwesen, Behörden und weitere Fachstellen. Ziel ist ein abgestimmter Maßnahmenkatalog für Bremen. Der Ansatz ist bewusst partnerschaftlich: Nicht eine Seite entscheidet, sondern alle entwickeln Lösungen gemeinsam.
Hintergrund
Weidehaltung selbst ist in bestimmten Bereichen ein wichtiger Bestandteil des Naturschutzes: Ohne Beweidung würden viele wertvolle Offenlandflächen verbuschen oder ihren Charakter verlieren.
Viele Weideflächen in Bremen sind bewusst offen und gehölzfrei. Genau diese Struktur schützt seltene Wiesenvögel und wertvolle Lebensräume. Gleichzeitig fehlt dort natürlicher Schatten.
Mit zunehmenden Hitzeperioden entsteht dadurch ein Zielkonflikt:
- Rinder benötigen bei Hitze Schutz
- Offene, baumfreie Weideflächen sind essenziell für seltene Wiesenbrüter
- Das Errichten baulicher Anlagen ist oft mit strengen Auflagen verbunden
- Gleichzeitig sollen Tiere weiterhin draußen gehalten werden
Das Projekt betrachtet diese Situation nicht als Gegeneinander, sondern als gemeinsames Problem: Wie kann eine Fläche gleichzeitig als Lebensraum für Tiere, Vögel, Pflanzen dienen, während die landwirtschaftliche Nutzung darauf erhalten bleibt?
Weidetiere sind an Witterung angepasst. Ein sonniger Tag bedeutet nicht automatisch Stress. Entscheidend sind Dauer, Luftfeuchtigkeit, Wind und nächtliche Abkühlung. Dennoch nehmen langanhaltende Hitzeperioden zu. Tierhalter sind gesetzlich verpflichtet, ihre Tiere davor zu schützen. Dazu gehören je nach Situation beispielsweise Schattenmöglichkeiten und eine angepasste Weideführung.
Gerade auf schattenfreien Schutzflächen sind diese Maßnahmen jedoch nicht immer einfach umsetzbar. Viele Bremer Weiden sind Teil wertvoller Vogelschutzgebiete. Sie werden gezielt offengehalten, damit Bodenbrüter und seltene Pflanzenarten hier Lebensräume finden.
Bäume, Unterstände oder dauerhafte Bauwerke können diese Lebensräume verändern. Bremen hat eine bindende europäische Verantwortung für den Schutz von Wiesenbrütern übernommen. Deshalb müssen Hitzeschutzlösungen in den sensiblen Bereichen besonders sorgfältig geplant werden.
Warum das Projekt wichtig ist:
Weidehaltung erfüllt viele gesellschaftliche Aufgaben gleichzeitig: besonders tiergerechte Haltung, Erhalt der Kulturlandschaft, Schutz seltener Arten, Naherholung und landwirtschaftliche Wertschöpfung. Der Klimawandel verändert die Rahmenbedingungen. Damit Tiere weiterhin draußen gehalten werden können, braucht es neue, gemeinsam getragene Lösungen. Das Projekt soll genau diese entwickeln – fachlich fundiert, verständlich und praktikabel.
Kontakt
Durchführende Projektträgerin ist die Stiftung NordWest Natur. Ansprechpartnerin für das Projekt ist Rebekka Lemb, Geschäftsführerin der Stiftung NordWest Natur unter: lemb@nordwest-natur.de
Das Projekt wird gefördert durch die Senatorin für Umwelt, Klima und Wissenschaft.